In Deutschland gilt: Wer einem anderen einen Schaden zufügt, muss ihn ersetzen – und zwar unbegrenzt, notfalls jahrelang aus dem eigenen Einkommen (§ 823 BGB). Eine private Haftpflichtversicherung kostet nur wenige Euro im Monat und übernimmt solche Schäden. Gerade für Neuankömmlinge in einer neuen Wohnung oder Unterkunft lohnt sie sich.
Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechts-/Versicherungsberatung. Preise sind Richtwerte.
Kurz gesagt: Die Privathaftpflicht zahlt, wenn Sie anderen Menschen versehentlich einen Schaden zufügen – an Personen, Sachen oder deren Vermögen. Sie wehrt außerdem unberechtigte Forderungen ab. Gute Tarife kosten für Singles oft nur etwa 20 bis 60 Euro im Jahr. Achten Sie auf eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro, auf Mietsachschäden und auf den Verlust fremder Schlüssel. Eigene Sachen und das Auto sind nicht versichert.
Was die Privathaftpflicht zahlt
Die Versicherung springt ein, wenn Sie privat jemand anderem einen Schaden verursachen. Typische Beispiele:
- Sie stoßen beim Einkaufen gegen ein Regal, und eine Flasche Öl zerbricht.
- Ihr Fahrrad rollt gegen ein parkendes Auto und zerkratzt den Lack.
- Die Waschmaschine läuft aus, und Wasser tropft in die Wohnung darunter.
- Sie rennen auf dem Gehweg einen Fußgänger um, der sich verletzt – dann geht es schnell um Behandlungskosten, Schmerzensgeld oder Verdienstausfall.
- Sie lassen das Handy eines Kollegen fallen, das er Ihnen geliehen hat.
Außerdem prüft die Versicherung, ob die Forderung überhaupt berechtigt ist. Ist sie es nicht, wehrt der Versicherer sie ab – notfalls vor Gericht. Man spricht vom passiven Rechtsschutz.
Warum sie gerade für Neuankömmlinge wichtig ist
- Neue Umgebung, neue Risiken: neue Wohnung, fremde Geräte, Gemeinschaftsräume mit Kollegen, Fahrrad im Straßenverkehr.
- Wohnung oder Unterkunft: Ein Wasserschaden, ein Brandfleck im Boden oder eine kaputte Tür kann schnell mehrere tausend Euro kosten.
- Schlüssel: Verlieren Sie den Schlüssel einer Schließanlage, kann der Vermieter den Austausch aller Schlösser verlangen.
- Vermieter fragen danach: Manche verlangen beim Mietvertrag einen Nachweis. Mehr dazu in Wohnung mieten: Unterlagen.
- Versicherung aus dem Heimatland reicht oft nicht: Prüfen Sie, ob eine Police aus Rumänien, Polen oder der Ukraine überhaupt in Deutschland und dauerhaft gilt.
Wichtige Bausteine
| Baustein | Worum geht es? | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Deckungssumme | Höchstbetrag pro Schaden | Mindestens 10 Mio. € pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden |
| Mietsachschäden | Schäden an gemieteten Räumen (Boden, Türen, Wände, Sanitär) | Gute Tarife mit hoher Summe; normale Abnutzung ist nie versichert |
| Möblierte Unterkunft | Schäden an gemieteten Möbeln und Geräten | Nicht in jedem Tarif enthalten – Bedingungen prüfen |
| Verlust fremder Schlüssel | Privat- und Schließanlagenschlüssel | Oft begrenzt; berufliche Schlüssel (vom Arbeitgeber) teils nur als Zusatz |
| Gefälligkeitsschäden | Schaden beim Helfen, z. B. beim Umzug von Freunden | In vielen guten Tarifen enthalten, oft mit Grenze |
| Geliehene Sachen | Schäden an geliehenen Dingen | Nicht in jedem Tarif enthalten |
| Ausfalldeckung | Sie werden geschädigt, der Verursacher kann nicht zahlen | Sinnvolles Extra |
| Selbstbeteiligung | Eigenanteil pro Schaden | Senkt den Beitrag, z. B. 150 € |
Tipp für Mitarbeitende mit gestellter Unterkunft: Fragen Sie vor Abschluss nach, ob Schäden an der Einrichtung (Bett, Schrank, Küchengeräte) mitversichert sind und wie hoch die Grenze für Schlüssel ist. Gerade in Unterkünften mit mehreren Bewohnern ist das wichtig.
Was kostet eine Privathaftpflicht?
Die Preise unterscheiden sich stark. Als grobe Orientierung (Stand 2025/2026, laut Verbraucherportalen und Tests):
- Singles: gute Tarife oft schon für etwa 20 bis 60 Euro im Jahr, sehr junge Singles zahlen teils etwas mehr.
- Paare und Familien: häufig rund 50 bis 80 Euro im Jahr. Stiftung Warentest fand sehr gute Familientarife ab knapp 50 Euro jährlich.
Was den Preis beeinflusst:
- Umfang der Leistungen und Höhe der Deckungssumme,
- Selbstbeteiligung,
- Zahlweise – jährlich ist meist günstiger als monatlich,
- teils das Alter.
Teurer heißt nicht automatisch besser: Vergleichen Sie die Leistungen, nicht nur den Preis.
Single, Paar oder Familie?
- Single-Tarif: für Sie allein.
- Partnertarif / Familientarif: versichert Ehe- oder Lebenspartner und Kinder mit. Unverheiratete Paare sind meist mitversichert, wenn sie zusammen wohnen und der Partner im Vertrag genannt wird.
- Kinder sind in der Regel bis zum Ende der ersten Ausbildung mitversichert. Achten Sie auf Schäden durch Kinder unter sieben Jahren: Rechtlich haften kleine Kinder oft nicht – gute Tarife zahlen trotzdem.
Kommt Ihr Partner später nach Deutschland nach, können Sie einen Single-Vertrag meist auf einen Partner- oder Familientarif umstellen.
Was die Privathaftpflicht nicht zahlt
- Eigene Sachen: Ihr eigenes Handy, Laptop oder Fahrrad. Dafür gibt es die Hausratversicherung (bei Einbruch, Feuer, Leitungswasser).
- Schäden mit dem Auto oder Motorrad: Dafür ist die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht zuständig.
- Schäden bei der Arbeit: Was Sie im Job beschädigen, fällt grundsätzlich nicht unter die Privathaftpflicht – hier gelten die Regeln der Arbeitnehmerhaftung.
- Vorsatz: Absichtlich verursachte Schäden zahlt keine Versicherung.
- Schäden innerhalb der Familie: Schäden zwischen mitversicherten Personen sind meist ausgeschlossen.
- Normale Abnutzung in der Wohnung, etwa Kratzer durch normales Wohnen.
- Hunde und Pferde: Dafür braucht man eine eigene Tierhalterhaftpflicht.
So schließen Sie eine Privathaftpflicht ab
- Leistungen festlegen: Deckungssumme mindestens 10 Mio. €, Mietsachschäden, Schlüssel, bei möblierter Unterkunft auch Einrichtung.
- Vergleichen: Online-Vergleichsportale und unabhängige Tests (z. B. Stiftung Warentest, Finanztip, Verbraucherzentrale) helfen bei der Auswahl. Vergleichsportale zeigen nicht immer alle Anbieter.
- Antrag stellen: Meist online in wenigen Minuten. Sie brauchen in der Regel eine Adresse in Deutschland und eine IBAN für die Abbuchung. Manche Anbieter akzeptieren nur deutsche IBANs – siehe Girokonto eröffnen.
- Beginn wählen: Der Schutz kann oft schon am nächsten Tag beginnen.
- Unterlagen aufbewahren: Versicherungsschein und Bedingungen speichern. Nach Vertragsschluss können Sie in der Regel 14 Tage widerrufen.
Im Schadensfall: Schaden sofort beim Versicherer melden, Fotos machen, nichts vorschnell schriftlich zugeben und keine Zahlung versprechen – die Versicherung prüft die Schuldfrage selbst.
Kündigung
- Regulär: In der Regel zum Ende des Versicherungsjahres, meist mit drei Monaten Frist. Verpassen Sie die Frist, verlängert sich der Vertrag oft um ein weiteres Jahr. Kurze Laufzeiten mit täglicher oder monatlicher Kündigung bieten manche Anbieter ausdrücklich an.
- Nach einem Schaden: Oft besteht ein Sonderkündigungsrecht für beide Seiten.
- Online gekündigt werden kann bei Verträgen, die online abgeschlossen werden konnten, über einen Kündigungsbutton auf der Website.
- Rückkehr ins Heimatland: Fragen Sie beim Versicherer nach, wie der Vertrag beim dauerhaften Wegzug endet. Kündigen Sie schriftlich und bewahren Sie die Bestätigung auf.
Checkliste
- Prüfen, ob schon ein Vertrag besteht (z. B. über den Partner).
- Deckungssumme mindestens 10 Mio. € wählen.
- Mietsachschäden, Schlüsselverlust und ggf. Einrichtung prüfen.
- Single-, Partner- oder Familientarif wählen.
- Deutsche Adresse und IBAN bereithalten.
- Versicherungsschein speichern und Kündigungsfrist notieren.
Was Sie in den ersten Wochen sonst noch erledigen sollten, steht in unserer Checkliste für die ersten Schritte in Deutschland. Zur Pflicht-Krankenversicherung lesen Sie Krankenversicherung in Deutschland.
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