Girokonto in Deutschland eröffnen

2. Oktober 2026

Der Lohn wird in Deutschland überwiesen – ein Konto brauchen Sie also ab dem ersten Monat. Wir erklären, welche Unterlagen nötig sind, welche Bank passt und ob ein rumänisches oder litauisches Konto für den Lohn reicht.

Mann mit Bankkarte und Smartphone am Küchentisch
KI-generiert

Ohne Bankkonto kommt man in Deutschland kaum durch den ersten Monat: Der Lohn wird überwiesen, Miete, Handyvertrag und Versicherungen werden abgebucht. Die gute Nachricht: Ein Konto ist schnell eröffnet, und auf ein Basiskonto haben Sie einen gesetzlichen Anspruch.

Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechts-/Steuerberatung.

Kurz gesagt: Jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU hat in Deutschland Anspruch auf ein Basiskonto – auch ohne festen Wohnsitz (§ 31 Zahlungskontengesetz). Meist reichen Pass oder Personalausweis; eine Meldebescheinigung verlangen nicht alle Banken. Den Lohn können Sie auch auf ein Konto in einem anderen EU-Staat bekommen, denn die SEPA-Verordnung verbietet es, eine deutsche IBAN vorzuschreiben.

Wofür Sie ein Girokonto brauchen

  • Lohn: Arbeitgeber zahlen per Überweisung, nicht bar.
  • Laufende Kosten: Miete, Internet, Handy und Beiträge werden per Lastschrift abgebucht.
  • Behörden und Kassen: Krankenkasse, Vermieter und Familienkasse (Kindergeld) fragen nach Ihrer IBAN.

Am besten kümmern Sie sich direkt nach der Ankunft darum – oder schon vor dem Umzug.

Recht auf ein Basiskonto

Seit 2016 gilt das Zahlungskontengesetz (ZKG). Nach § 31 ZKG müssen Banken, die Konten für Verbraucher anbieten, ein Basiskonto eröffnen für jeden Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU, einschließlich Personen ohne festen Wohnsitz und Asylsuchender.

  • Die Bank muss den Vertrag unverzüglich, spätestens innerhalb von zehn Geschäftstagen nach dem Antrag anbieten.
  • Eine schlechte Schufa oder Schulden sind für sich genommen kein Ablehnungsgrund.
  • Ablehnen darf die Bank nur aus gesetzlichen Gründen, zum Beispiel wenn Sie bereits ein nutzbares Konto in Deutschland haben.
  • Das Basiskonto kann alles Wichtige: Lohneingang, Überweisungen, Lastschriften, Karte – nur keinen Dispokredit.

Bei Ablehnung können Sie sich an die BaFin wenden. Dort gibt es ein kostenfreies Verwaltungsverfahren, in dem die BaFin die Bank zur Kontoeröffnung verpflichten kann. Formular und Online-Beschwerde finden Sie auf bafin.de.

Welche Unterlagen Sie brauchen

UnterlageNötig?Hinweis
Reisepass oder PersonalausweisJaEU-Bürger können ihren nationalen Ausweis nutzen
MeldebescheinigungOft, nicht immerViele Filialbanken wollen sie; beim Basiskonto nicht zwingend
Steuer-IDWird abgefragtKann nachgereicht werden
Adresse in DeutschlandMeist jaFür Post, Karte und PIN
Handynummer und E-MailJaFür Online-Banking und Freigaben

Steuer-ID: Nach § 154 Abgabenordnung muss die Bank Ihre steuerliche Identifikationsnummer erfassen. Fehlt sie bei der Eröffnung, fragt die Bank sie innerhalb von drei Monaten selbst beim Bundeszentralamt für Steuern ab. Die Steuer-ID kommt nach der Anmeldung per Post – mehr dazu unter Umzug und Anmeldung.

Ukrainische Staatsangehörige können laut Verbraucherzentrale ohne gültigen Reisepass ein ukrainisches Ausweisdokument zusammen mit einem Dokument einer deutschen Behörde vorlegen, etwa Meldebescheinigung oder Fiktionsbescheinigung.

Filialbank oder Direktbank?

Filialbank

Sparkassen, Volksbanken und große Privatbanken mit Geschäftsstellen.

  • Vorteile: persönliche Beratung, Unterlagen direkt vor Ort.
  • Nachteile: Termin nötig, oft Meldebescheinigung verlangt, meist monatliche Kontoführungsgebühr.

Direktbank / Online-Bank

Eröffnung per App oder Website, Identifizierung per Video-Ident oder PostIdent.

  • Vorteile: schnell, oft günstig oder unter Bedingungen kostenlos, App teils mehrsprachig.
  • Nachteile: keine Filiale; nicht jedes Ausweisdokument wird beim Video-Ident akzeptiert; Bargeld über Partner-Automaten.

Tipp: Prüfen Sie vorher in der Liste der Bank, ob Ihr Ausweis für Video-Ident zugelassen ist. Sonst PostIdent oder Filiale wählen.

Kontoführungsgebühren

Achten Sie beim Vergleich auf:

  • monatliche Grundgebühr,
  • Kosten der Karte (Girocard oder Debitkarte),
  • Bargeldabhebung an fremden Automaten,
  • Bedingungen für ein kostenloses Konto, etwa einen monatlichen Mindestgeldeingang.

Auch das Basiskonto darf Geld kosten, das Entgelt muss aber angemessen sein. Der Bundesgerichtshof hat überhöhte Basiskonto-Entgelte bereits für unwirksam erklärt. Lassen Sie sich vor der Unterschrift das Preis- und Leistungsverzeichnis geben.

IBAN und SEPA: Lohn auf ein Konto aus Rumänien oder Litauen?

Die IBAN ist die internationale Kontonummer. Deutsche IBANs beginnen mit DE (22 Stellen), rumänische mit RO, litauische mit LT.

Alle EU-Staaten gehören zum SEPA-Raum für Euro-Zahlungen. Nach Art. 9 der SEPA-Verordnung (EU) Nr. 260/2012 darf ein Zahler – also auch der Arbeitgeber – nicht vorschreiben, in welchem EU-Staat das Empfängerkonto geführt wird, solange es per SEPA erreichbar ist. Wer ausländische IBANs ablehnt, betreibt IBAN-Diskriminierung; in Deutschland überwacht die BaFin die Einhaltung.

Für die Praxis:

  • Litauische oder lettische Euro-Konten funktionieren für den Lohn in der Regel problemlos.
  • Rumänische oder bulgarische Konten sind ebenfalls zulässig. Wird das Konto in Landeswährung geführt, kann Ihre Bank Umrechnungsgebühren berechnen – fragen Sie dort nach.
  • Konten in Moldau oder der Ukraine fallen nicht unter die EU-SEPA-Verordnung. Für den Lohn ist ein Konto in Deutschland oder einem anderen EU-Staat sinnvoll.

Ein deutsches Konto ist trotzdem oft praktischer, etwa für Vermieter und Verträge vor Ort.

Schufa kurz erklärt

Die Schufa ist die größte Auskunftei in Deutschland. Banken melden dort zum Beispiel Konten, Kredite und nicht bezahlte Forderungen. Später fragen oft Vermieter und Mobilfunkanbieter danach. Ein ordentlich geführtes Konto hilft, mit der Zeit eine gute Bonität aufzubauen. Eine kostenlose Kopie Ihrer Daten können Sie jederzeit bei der Schufa anfordern.

Vorsicht: Betrug und „Finanzagenten“

Polizei und Bundeskriminalamt warnen regelmäßig vor Jobs als Finanzagent: Sie sollen Geld auf Ihrem Konto empfangen und sofort weiterleiten – gegen Provision. Tatsächlich ist das Geldwäsche. Nach § 261 StGB ist schon leichtfertiges Handeln strafbar.

  • Geben Sie niemals Konto, Karte, PIN, Passwort oder App-Zugang an andere weiter.
  • Eröffnen Sie kein Konto „für jemanden“ und verkaufen Sie keins.
  • Banken fragen nie am Telefon nach PIN oder TAN.
  • Ein „Job“, bei dem Sie Geld weiterleiten, ist Betrug.

Mehr Warnsignale lesen Sie in unserem Beitrag Betrug bei Jobangeboten erkennen.

Schritt für Schritt zum Konto

  1. Bank wählen: Direktbank für Tempo oder Filiale für persönliche Hilfe.
  2. Pass oder Personalausweis und deutsche Adresse bereithalten.
  3. Antrag stellen und identifizieren (Video-Ident, PostIdent oder Filiale).
  4. IBAN an den Arbeitgeber geben.
  5. Nach der Anmeldung Steuer-ID und ggf. neue Adresse an die Bank melden.

Arbeit und Lohn bei uns

Wir zahlen ab 15,33 € pro Stunde brutto, als Staplerfahrer (m/w/d) ab 16,08 € pro Stunde brutto – per Überweisung auf Ihr Konto. Was davon netto bleibt, erklärt unser Artikel Brutto und Netto. Wir helfen bei Umzug und Anmeldung, bei Bedarf kann eine Wohnung gestellt werden. Eine Vermittlungsgebühr zahlen Bewerber bei uns nicht.

Alle Stellen ansehen oder direkt das Bewerbungsformular ausfüllen.

Häufige Fragen

Darf die Bank mir ein Konto verweigern?
Ein normales Konto kann eine Bank ablehnen. Auf ein Basiskonto hat aber nach dem Zahlungskontengesetz jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU Anspruch, auch ohne festen Wohnsitz. Ablehnen darf die Bank nur aus gesetzlich geregelten Gründen, etwa wenn schon ein Konto in Deutschland besteht.
Brauche ich für das Konto eine Meldebescheinigung?
Viele Banken verlangen sie, aber nicht alle. Für das Basiskonto ist vor allem ein Pass oder Personalausweis entscheidend. Direktbanken eröffnen Konten oft per Video-Ident und fragen nur nach einer Adresse in Deutschland.
Kann ich meinen Lohn auf ein Konto in Rumänien oder Litauen bekommen?
Ja, wenn es ein SEPA-erreichbares Konto in einem EU-Staat ist. Nach der SEPA-Verordnung darf der Arbeitgeber keine deutsche IBAN vorschreiben. Bei einem Konto in Lei können allerdings Umrechnungsgebühren anfallen.
Was ist, wenn ich noch keine Steuer-ID habe?
Das Konto lässt sich trotzdem eröffnen. Die Bank muss die Steuer-ID zwar erfassen, fragt sie aber selbst beim Bundeszentralamt für Steuern ab, wenn Sie sie nicht mitteilen. Sobald der Brief mit der Steuer-ID da ist, geben Sie sie einfach an die Bank weiter.
Was kostet ein Girokonto?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Direktbanken führen Konten unter Bedingungen kostenlos, Filialbanken verlangen meist eine Monatsgebühr. Auch das Basiskonto darf etwas kosten, das Entgelt muss aber angemessen sein.
Mir wird Geld angeboten, wenn Überweisungen über mein Konto laufen. Ist das legal?
Nein. Das ist die typische Anwerbung von Finanzagenten für Geldwäsche. Strafbar ist das schon bei Leichtfertigkeit, und die Bank kündigt das Konto. Geben Sie Konto, Karte und Online-Banking-Zugang nie an andere weiter.

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