Ohne Bankkonto kommt man in Deutschland kaum durch den ersten Monat: Der Lohn wird überwiesen, Miete, Handyvertrag und Versicherungen werden abgebucht. Die gute Nachricht: Ein Konto ist schnell eröffnet, und auf ein Basiskonto haben Sie einen gesetzlichen Anspruch.
Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechts-/Steuerberatung.
Kurz gesagt: Jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU hat in Deutschland Anspruch auf ein Basiskonto – auch ohne festen Wohnsitz (§ 31 Zahlungskontengesetz). Meist reichen Pass oder Personalausweis; eine Meldebescheinigung verlangen nicht alle Banken. Den Lohn können Sie auch auf ein Konto in einem anderen EU-Staat bekommen, denn die SEPA-Verordnung verbietet es, eine deutsche IBAN vorzuschreiben.
Wofür Sie ein Girokonto brauchen
- Lohn: Arbeitgeber zahlen per Überweisung, nicht bar.
- Laufende Kosten: Miete, Internet, Handy und Beiträge werden per Lastschrift abgebucht.
- Behörden und Kassen: Krankenkasse, Vermieter und Familienkasse (Kindergeld) fragen nach Ihrer IBAN.
Am besten kümmern Sie sich direkt nach der Ankunft darum – oder schon vor dem Umzug.
Recht auf ein Basiskonto
Seit 2016 gilt das Zahlungskontengesetz (ZKG). Nach § 31 ZKG müssen Banken, die Konten für Verbraucher anbieten, ein Basiskonto eröffnen für jeden Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU, einschließlich Personen ohne festen Wohnsitz und Asylsuchender.
- Die Bank muss den Vertrag unverzüglich, spätestens innerhalb von zehn Geschäftstagen nach dem Antrag anbieten.
- Eine schlechte Schufa oder Schulden sind für sich genommen kein Ablehnungsgrund.
- Ablehnen darf die Bank nur aus gesetzlichen Gründen, zum Beispiel wenn Sie bereits ein nutzbares Konto in Deutschland haben.
- Das Basiskonto kann alles Wichtige: Lohneingang, Überweisungen, Lastschriften, Karte – nur keinen Dispokredit.
Bei Ablehnung können Sie sich an die BaFin wenden. Dort gibt es ein kostenfreies Verwaltungsverfahren, in dem die BaFin die Bank zur Kontoeröffnung verpflichten kann. Formular und Online-Beschwerde finden Sie auf bafin.de.
Welche Unterlagen Sie brauchen
| Unterlage | Nötig? | Hinweis |
|---|---|---|
| Reisepass oder Personalausweis | Ja | EU-Bürger können ihren nationalen Ausweis nutzen |
| Meldebescheinigung | Oft, nicht immer | Viele Filialbanken wollen sie; beim Basiskonto nicht zwingend |
| Steuer-ID | Wird abgefragt | Kann nachgereicht werden |
| Adresse in Deutschland | Meist ja | Für Post, Karte und PIN |
| Handynummer und E-Mail | Ja | Für Online-Banking und Freigaben |
Steuer-ID: Nach § 154 Abgabenordnung muss die Bank Ihre steuerliche Identifikationsnummer erfassen. Fehlt sie bei der Eröffnung, fragt die Bank sie innerhalb von drei Monaten selbst beim Bundeszentralamt für Steuern ab. Die Steuer-ID kommt nach der Anmeldung per Post – mehr dazu unter Umzug und Anmeldung.
Ukrainische Staatsangehörige können laut Verbraucherzentrale ohne gültigen Reisepass ein ukrainisches Ausweisdokument zusammen mit einem Dokument einer deutschen Behörde vorlegen, etwa Meldebescheinigung oder Fiktionsbescheinigung.
Filialbank oder Direktbank?
Filialbank
Sparkassen, Volksbanken und große Privatbanken mit Geschäftsstellen.
- Vorteile: persönliche Beratung, Unterlagen direkt vor Ort.
- Nachteile: Termin nötig, oft Meldebescheinigung verlangt, meist monatliche Kontoführungsgebühr.
Direktbank / Online-Bank
Eröffnung per App oder Website, Identifizierung per Video-Ident oder PostIdent.
- Vorteile: schnell, oft günstig oder unter Bedingungen kostenlos, App teils mehrsprachig.
- Nachteile: keine Filiale; nicht jedes Ausweisdokument wird beim Video-Ident akzeptiert; Bargeld über Partner-Automaten.
Tipp: Prüfen Sie vorher in der Liste der Bank, ob Ihr Ausweis für Video-Ident zugelassen ist. Sonst PostIdent oder Filiale wählen.
Kontoführungsgebühren
Achten Sie beim Vergleich auf:
- monatliche Grundgebühr,
- Kosten der Karte (Girocard oder Debitkarte),
- Bargeldabhebung an fremden Automaten,
- Bedingungen für ein kostenloses Konto, etwa einen monatlichen Mindestgeldeingang.
Auch das Basiskonto darf Geld kosten, das Entgelt muss aber angemessen sein. Der Bundesgerichtshof hat überhöhte Basiskonto-Entgelte bereits für unwirksam erklärt. Lassen Sie sich vor der Unterschrift das Preis- und Leistungsverzeichnis geben.
IBAN und SEPA: Lohn auf ein Konto aus Rumänien oder Litauen?
Die IBAN ist die internationale Kontonummer. Deutsche IBANs beginnen mit DE (22 Stellen), rumänische mit RO, litauische mit LT.
Alle EU-Staaten gehören zum SEPA-Raum für Euro-Zahlungen. Nach Art. 9 der SEPA-Verordnung (EU) Nr. 260/2012 darf ein Zahler – also auch der Arbeitgeber – nicht vorschreiben, in welchem EU-Staat das Empfängerkonto geführt wird, solange es per SEPA erreichbar ist. Wer ausländische IBANs ablehnt, betreibt IBAN-Diskriminierung; in Deutschland überwacht die BaFin die Einhaltung.
Für die Praxis:
- Litauische oder lettische Euro-Konten funktionieren für den Lohn in der Regel problemlos.
- Rumänische oder bulgarische Konten sind ebenfalls zulässig. Wird das Konto in Landeswährung geführt, kann Ihre Bank Umrechnungsgebühren berechnen – fragen Sie dort nach.
- Konten in Moldau oder der Ukraine fallen nicht unter die EU-SEPA-Verordnung. Für den Lohn ist ein Konto in Deutschland oder einem anderen EU-Staat sinnvoll.
Ein deutsches Konto ist trotzdem oft praktischer, etwa für Vermieter und Verträge vor Ort.
Schufa kurz erklärt
Die Schufa ist die größte Auskunftei in Deutschland. Banken melden dort zum Beispiel Konten, Kredite und nicht bezahlte Forderungen. Später fragen oft Vermieter und Mobilfunkanbieter danach. Ein ordentlich geführtes Konto hilft, mit der Zeit eine gute Bonität aufzubauen. Eine kostenlose Kopie Ihrer Daten können Sie jederzeit bei der Schufa anfordern.
Vorsicht: Betrug und „Finanzagenten“
Polizei und Bundeskriminalamt warnen regelmäßig vor Jobs als Finanzagent: Sie sollen Geld auf Ihrem Konto empfangen und sofort weiterleiten – gegen Provision. Tatsächlich ist das Geldwäsche. Nach § 261 StGB ist schon leichtfertiges Handeln strafbar.
- Geben Sie niemals Konto, Karte, PIN, Passwort oder App-Zugang an andere weiter.
- Eröffnen Sie kein Konto „für jemanden“ und verkaufen Sie keins.
- Banken fragen nie am Telefon nach PIN oder TAN.
- Ein „Job“, bei dem Sie Geld weiterleiten, ist Betrug.
Mehr Warnsignale lesen Sie in unserem Beitrag Betrug bei Jobangeboten erkennen.
Schritt für Schritt zum Konto
- Bank wählen: Direktbank für Tempo oder Filiale für persönliche Hilfe.
- Pass oder Personalausweis und deutsche Adresse bereithalten.
- Antrag stellen und identifizieren (Video-Ident, PostIdent oder Filiale).
- IBAN an den Arbeitgeber geben.
- Nach der Anmeldung Steuer-ID und ggf. neue Adresse an die Bank melden.
Arbeit und Lohn bei uns
Wir zahlen ab 15,33 € pro Stunde brutto, als Staplerfahrer (m/w/d) ab 16,08 € pro Stunde brutto – per Überweisung auf Ihr Konto. Was davon netto bleibt, erklärt unser Artikel Brutto und Netto. Wir helfen bei Umzug und Anmeldung, bei Bedarf kann eine Wohnung gestellt werden. Eine Vermittlungsgebühr zahlen Bewerber bei uns nicht.
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